Irgendwann stand sie im Raum, die Idee zur Umgestaltung des Beckumer Marktplatzes. So richtig lässt sich nicht verifizieren, wer diese Idee mit Vehemenz verfolgt. So fliegen vor der erstaunten Bürgerschaft Zahlen und Fakten durch den Raum, die sich bei genauerem Hinsehen nicht halten lassen.

Beispiel Wurzelbrücken für die Bäume. Diese werden von keinem vorliegenden Gutachten gefordert. Insoweit sind die Kosten, die dafür im öffentlichen Raum gehandelt werden, nicht real. Sie führen nur zur Verunsicherung der Bürger.

Beispiel öffentliche Aussagen zu Mehrkosten für die Hauseigentümer bei Erhalt der Bäume. Es wurde eingewendet, dass dadurch Mehrkosten entstehen, dass bei den Hausanschlüssen u.a. von Hand und mit handgeführten Geräten gearbeitet werden muss.

Die realen Fakten finden sich auf S. 26 + 27 des Bodengutachtens. Durch die vorgesehene tiefe Ausschachtung des bis heute stabilen Marktuntergrundes und das dann geplante weitere 20 cm tiefe Verdichten des Bodengrundes durch Gewichtsplatten o. ä. wird Erschütterungen verursachen, die auf die alte Bausubstanz einwirken.

Um sich vor möglichen Regressansprüchen der angrenzenden Hauseigentümer bei möglicher Weise eintretenden Schäden an der Bausubstanz abzusichern, empfiehlt das begutachtende Büro Kleegräfe allen Beteiligten vor Beginn der Maßnahme…die Durchführung eines vor- und nachsorgenden Beweissicherungsverfahrens.

Das sogenannte Beweissicherungs- und Feststellungsverfahren ist ein gerichtliches Verfahren, in dem ein Gutachter eingesetzt wird, der die gewünschten bzw. beantragten Sachverhalte festhält, wie z. B. die Bausubstanz vor und nach der Baumaßnahme. Ein solches Verfahren kostet aber richtig Geld. Es ist nicht zu sehen, dass diese Kosten schon in der Baukostenschätzung der Stadt Beckum enthalten sind. Und unabhängig davon: Wird etwa erwartet, dass die Hauseigentümer, die z. T. wirtschaftlich von den Bauarbeiten am Markt betroffen sein werden, auch noch einen Teil dieser Kosten tragen sollen?

Zudem muss noch entschieden werden, ob für die Bauarbeiten sogenannte 3-Komponenten-Erschütterungsmessgeräte anzubringen sind. 

Um die Erschütterungen an den Häusern so gering wie möglich zu halten kommen die oben genannten 1,50 Meter Abstand maschineller Arbeiten von der Bausubstanz ins Spiel.

„In einem Streifen von 1,5 m zum angrenzenden Bestand (Wohngebäude) sind ausschließlich handgeführte, statisch arbeitende Gerätschaften einzusetzen… 

Damit ist die Aussage widerlegt, dass der Erhalt der Bäume diese Mehrkosten verursacht.

Der Untergrund des Marktes soll so verdichtet werden, dass täglich bis zu 65 Busse! über den Markt fahren können. 

Warum sollen am Tag 65 Busse über den Markt fahren können? Erst die dafür erforderliche Bodenverdichtung der sogenannten Belastungsklasse 1,8 macht die geplanten aufwändigen und kostenintensiven Bodenarbeiten nötig. Und die sind die Ursache aller nachfolgenden Konsequenzen u. a. für die vorhandenen Bäume. Ohne Ausgleichsmaßnahmen hätten sie offensichtlich keine Überlebenschancen.

Der Beckumer Marktplatz hat seit Jahrzehnten einen stabilen Untergrund. Wer diese gewachsene Statik beseitigt handelt wider dem in der IT bekannten Sprichwort: Never change a running System, hier abgewandelt: Zerstöre nie einen gefestigten Untergrund, denn du weißt nie, was du dir einhandelst. Könnte es zudem sein, dass bei der letzten Marktplatzgestaltung so gehandelt wurde und noch altes Pflaster im Boden liegt? Schon jetzt geht der Löwenanteil der geschätzten Kosten in den Boden und nicht in die Gestaltung des

Marktes. Der Hauptkanal, der vor dem Rathaus verläuft, muss saniert werden, das ist Fakt. Von dort lassen sich auch alle Hausanschlüsse ohne weitere Bodenarbeiten sanieren.

Aber warum wollen die Urheber der vorliegenden Marktplatzplanung den kompletten Marktplatz 64 cm tief auskoffern, weitere 20 cm verdichten, die Erde abfahren, neues Füllmaterial einbauen und verdichten? Erst dadurch dürfte auch die Neuverlegung sämtlicher Versorgungsleitungen in die Häuser am Markt erforderlich werden. Wie die Kostenverteilung dafür aussieht, ist nicht bekannt.

Nicht nur die Grundstückseigentümer am Markt, alle Einwohner(innen) dieser Stadt haben den Anspruch auf frühzeitige und umfassende Information darüber, was materiell und an Beeinträchtigungen (z. B. längerer Ausfall des Marktplatzes für die Außengastronomie) auf sie zukommen würde, wenn dieses Projekt in der geplanten Form realisiert werden sollte.

Norbert Lütke

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